Ganzheitliche Unternehmensoptimierung am Beispiel der Firma Müller Formenbau, Niederdieten

Auszug aus dem "Stahlformenbauer"

Autor:
Dr.-Ing. Rudolf Zwicker, Dr.R.Zwicker TOP Consult GmbH, Nürnberg

Überblick
Seit Juli 1999 ist die Firma Müller Formenbau, Niederdieten nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Was aber muß im Rahmen der ISO 9000 und darüber hinaus umgesetzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit eines Formenbaus weiter zu steigern und eine positive wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen? Am Beispiel der Firma Müller soll gezeigt werden, wie dies auch im Formenbau durch die Anwendung integrierter Konzepte wie Qualitätsmanagement über Optimierung von Prozeß- und IT- Technologien über Kostenrechnung bis hin zu Fertigungsplanung und Steuerung umgesetzt werden kann. Der Umsetzungsprozeß wurde ca. 2 Jahre von Dr.-Ing. Rudolf Zwicker, Nürnberg, begleitet, wobei gerade eine entscheidungsfreudige und zielorientierte Geschäftsleitung diesen Prozeß von hohem Niveau startend überaus positiv beeinflußte.

Qualitätsmanagement
Welche Elemente der ISO 9001 sind die wesentlichen für eine Entwicklung des Unternehmens? Spricht man von strategischer Unternehmensplanung mit entsprechender Formulierung von Unternehmenszielen von Wirtschaftsplänen und strategischer Ausrichtung des Unternehmens auch bezüglich der angewandten CAD- und Fertigungstechnologien, so ordnet man diese Themen eher in betriebswirtschaftliche Regionen und nicht in den Bereich der "Handbuch-lastigen" ISO 9000 ein. Die Formulierung des Qualitätszieles " Wir setzen uns das Ziel, bei Folgeformen eine Bemusterung bzw. bei Erstformen zwei Bemusterungen zur Vorstellung der Produkte zu erreichen" bedarf aber gerade einer grundsätzlichen Ausrichtung des Unternehmens hinsichtlich mehrerer Ebenen: Die komplette Prozeßkette beginnend bei der Konstruktion über CAM und Bearbeitungstechnologien müssen grundsätzlich überdacht werden bezüglich Durchgängigkeit der Daten und Absicherung der einzelnen Prozeßschritte. Dazu ist gerade bei der Auswahl neuer Systeme auf deren Kompatibilität mit bestehenden Lösungen und deren Entwicklung zu achten, wobei gerade auch Aspekte wie die Bearbeitung von Fremddaten immer wichtiger werden. Weiter bedarf es mehrerer Instrumentarien, wie auf Termingenauigkeit zielende Fertigungsplanung und -Steuerung, Optimierung aller Technologien im Unternehmen und dem Einsatz moderner IT Technologien, die weiter unten erläutert sind. Das wesentliche Element zur Umsetzung der strategischen Ziele und Überprüfung von Maßnahmen ist das Element "14" Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen. Hierin werden die Grundsätze der Gesprächs- und Fehlerkultur eines Betriebes beschrieben und im weiteren der Umgang mit Maßnahmen bis hin zu Projektmanagement. Hierin ist auch die Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungen beschrieben, wie auch der grundsätzliche Umgang von Vorgesetzten mit Mitrarbeitern.

Das Erstellen eines "Stundenplanes" für Sitzungen mit der Definition der jeweiligen Themen, Zielsetzungen und Teilnehmer erlaubt einen einfachen Überblick, der noch weiter Transparent gemacht wird, wenn die getroffenen Beschlüsse und Maßnahmen entsprechend der jeweiligen Zugriffsrechte im Intranet verfügbar sind. Erst das Bewußtwerden vom Setzen von Prioritäten für Themen, die der strategischen Unternehmensentwicklung zuzuordnen sind, erlauben eine Entwicklung des Unternehmens, das zukünftig wettbewerbsfähig ist. Weitere wesentliche Schritte in der Umsetzung der ISO 9000 sind die Vereinheitlichung und Vereinfachung von Entwicklung und Konstruktion, die dann in die Formulierung von internen Richtlinien mündet. Konstruktionsbegleitende Checklisten sollen den Konstruktionsprozeß absichern und damit zu einer Verkürzung der Konstruktionszeit führen. Kontrolliertes "simultaneous engineering", im Formenbau Konstruktion mit parallel laufender NC Programmierung und Bearbeitung, mit entsprechender Absicherung des Änderungsablaufes sind Grundprozesse in der ISO-Umsetzung. Wie in der Konstruktion lassen sich im Fertigungsablauf Firmen Know-how bündeln und in entsprechenden Fertigungsrichtlinien fixieren, was gerade bei stark expandierenden Unternehmen zu einer Absicherung des Prozesses für neue Mitarbeiter führt. Fertigungsbegleitende Checklisten sollen dann gerade im Montageprozeß dazu führen, möglichst nur eine Bemusterung durchzuführen, da Kundenrichtlinien, interne Fertigungsrichtlinien und ein abgesicherter Montageprozeß die "fehlerfreie" und voll funktionsfähige und prozeßsichere Form gewährleisten sollen. Eine weitere Maßnahme zum Erreichen der gesteckten Unternehmensziele ist die fertigungsbegleitende Qualitätssicherung. Hierbei sollen letztendlich Anpaßarbeiten auf eine Minimum reduziert werden, was voraussetzt, daß eine Vermessung der Aufbauten oder Rahmen und weiter eine Überprüfung der Elektroden, Einsätze und Schieber erfolgt.

Kostenrechnung
Voraussetzung für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozeß ist eine funktionierende Kostenrechnung, deren erste Zielsetzung ist, Stundensätze für Mitarbeiter und Maschinen bereitzustellen. Darüber hinaus werden aus den vergangenheitsbezogenenen Stundensätze Planstundensätze berechnet, die unter anderem abhängig sind von der Auslastung des Betriebes. Die so bereitgestellten Daten bilden die Grundlage für jede Art von Kalkulation und Nachkalkulation. Je differenzierter diese Stundensätze sind (heruntergebrochen bis auf Maschinenebene), desto genauer sind Nachkalkulationen durchführbar. Die Darstellung eines Stundensatzes, insbesondere eines Maschinenstundensatzes, der üblicherweise über das Hilfsmittel BAB (Betriebs - Abrechnungs - Bogen) errechnet wird, sollte als direkte Kosten und umverteilte Kosten erfolgen, um im Rahmen von Kostenoptimierungsprojekten zielgerichtet die Herkunft der einzelnen Kostenanteile bewerten zu können. Neben der Kostenrechnung ist es hilfreich eine ca. 1/2-jährig vorlaufende Plan GuV (Gewinn und Verlustrechnung) zu erstellen, wozu eine auf Kalenderwochen bezogene Umsatzplanung notwendig ist. Neben den genannten Methoden kann zusätzlich noch eine detaillierte Ausgaben - Einnahmen Rechnung geführt werden, in der die tatsächlich zu erwartenden Zahlungseingänge und die tatsächlichen Zahlungen eingetragen sind und so eine Liquiditätsplanung ermöglichen.

Die oben dargestellte Graphik zeigt als Zusammenfassung die Verknüpfung der Kostenrechnung, Kapazitätsplanung und Umsatzplanung mit entsprechender Abweichungsanalyse und dem daraus resultierenden Regelkreis

IT Technologien
Zur termingenauen Fertigung und Transparenz aller Werkzeug bezogenen Informationen sowie Durchgängigkeit des Datenflusses von CAD über CAM in die Fertigung steigen ständig die Anforderungen an Computernetzwerke sowie Hard- und Software. Weitere Informationen, wie QM Handbuch und Verfahrensanweisungen sollten als Informationsmedium dienen und entsprechend zugänglich für alle Mitarbeiter sein. Die Umsetzung dieser QM Dokumentation als Intranet Version, basierend auf Work Flow -Systemen bietet dazu eine einfache und sehr übersichtliche Methode, die für jeden Mitarbeiter nutzbar ist, der über Grundinformationen des "Internetsurfens" verfügt. Dieses Intranet kann dann weiter als Medium dienen Expertendatenbanken aufzubauen oder allgemein zugängliche Informationen zu hinterlegen und unter Mitwirkung der Mitarbeiter weiter aufzubauen. Ein weiterer Nutzen eines betriebsweiten Netzes ist die Bereitstellung auftragsbezogener Daten über die normale Auftragsabwicklung hinaus. Ein von der Firma Müller entwickeltes Auftrags Informations System stellt alle relevanten Daten unter anderem im Bereich der Änderungen bereit und ermöglicht so online Information über den Status jeder Änderung oder jeder Form im Unternehmen.